Das ODF-Format wird für Behörden vorgeschrieben. Die Meldung klingt nach dem Ende von Word. In Wahrheit reichen oft wenige Klicks, um die Vorgaben zu erfüllen.

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Michael Schütz
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Der IT-Planungsrat hat das ODF-Format als verbindlichen Standard für die öffentliche Verwaltung vorgeschrieben. In vielen IT-Abteilungen heißt es jetzt: umstellen. Aber auf was genau? Die Lösung ist weit weniger dramatisch, als die aktuellen Schlagzeilen vermuten lassen. Denn die Vorgabe verbietet kein Programm. Sie schreibt lediglich ein Format vor. Und Word kann ODF bereits seit langem.


Das finden Sie auf dieser Seite zum Thema „ODF-Format wird Pflicht in Behörden“


Was genau wird vorgeschrieben?

Im März 2026 hat der IT-Planungsrat – das Gremium für die IT-Zusammenarbeit von Bund und Ländern – einen Beschluss gefasst, der es von außen betrachtet in sich hat. Im Rahmen des sogenannten Deutschland-Stacks sind künftig nur noch zwei Dokumentformate für die öffentliche Verwaltung zugelassen: das ODF-Format und das barrierefreie PDF-Format PDF/UA.

Was ist der Deutschland-Stack?
Der Deutschland-Stack ist das Rahmenwerk des Bundesministeriums für Digitales und Staatliche Modernisierung. Er beschreibt die technische Grundlage für die Digitalisierung der Verwaltung. Dazu gehören Cloud-Dienste, Schnittstellen, Sicherheitsstandards. Und eben auch, welche Dateiformate im Dokumentenaustausch verwendet werden dürfen. Bis 2028 soll die Umsetzung abgeschlossen sein.

Das Missverständnis: Format vs. Software

Was in der Diskussion oft untergeht: Die Vorgabe betrifft das Dateiformat beim Dokumentenaustausch. Nicht die Software. DOCX als Format wird verdrängt. Microsoft Word als Anwendung jedoch nicht. Was genau das ODF-Format ist, wie es aufgebaut ist und worin es sich von DOCX unterscheidet, erklären wir ausführlich in unserem Artikel Was ist das ODF-Format?.

Was ist das ODF-Format?
ODF steht für Open Document Format – ein offener, herstellerunabhängiger ISO-Standard für Textdokumente (.odt), Tabellen (.ods) und Präsentationen (.odp). Anders als DOCX ist eine ODF-Datei nicht an eine bestimmte Software gebunden. Word, LibreOffice, Google Docs und andere Anwendungen können das ODF-Format lesen und schreiben.


Warum die Schlagzeilen in die Irre führen

Die Berichterstattung hat das Thema dankbar aufgegriffen. Denn Microsoft selbst steht als US-Hyperscaler schon länger in der Kritik. Die Schlagzeilen klingen dramatisch und sind genau deshalb so irreführend. Wer „Word fliegt raus" liest, denkt automatisch, dass Behörden Word nicht mehr verwenden dürfen. Das ist allerdings falsch.

Der Kurzschluss: Word = DOCX

Für die meisten Anwender ist Word gleichbedeutend mit DOCX. Zumindest kennen die meisten die Dateiendung .docx. Wer ein Word-Dokument erstellt, speichert es automatisch als DOCX, ohne darüber nachzudenken. Das Format selbst ist unsichtbar, das Speichern passiert im Hintergrund. Und genau das führt zum Kurzschluss: Wenn DOCX „verboten“ ist, dann auch Word. Aber das stimmt nicht.

Wie oft kommt es vor, dass Sie über das Dateiformat Ihrer Dokumente nachdenken? Vermutlich selten. Genau da liegt das Problem. Die Verwechslung von Format und Software erzeugt eine Verunsicherung bei Anwendern und bei Entscheidern. Diese Verunsicherung müsste es aber gar nicht geben.

Kurz gesagt: Format ≠ Software
Die ODF-Pflicht schreibt vor, in welchem Format Behörden Dokumente austauschen. Sie schreibt nicht vor, mit welchem Programm diese Dokumente erstellt werden. Word kann ODF lesen, bearbeiten und speichern. Wer Word nutzt und als .odt speichert, erfüllt die Vorgabe


Was sich tatsächlich ändert – und was nicht

Was sich ändert sich also? Das Speicherformat der Ausgabedateien. Statt .docx wird .odt zum Standard. Was sich nicht ändert: die Arbeitsumgebung, die Oberfläche, der Workflow. Word bleibt Word, es ist keine Software-Umstellung nötig. Punkt.

Word kann ODF – und zwar schon lange

Microsoft Word unterstützt das ODF-Format seit Jahren. Aktuelle Versionen unter M365 können ODF-Dateien im Standard 1.4 lesen, bearbeiten und speichern. Die Dateiendung lautet dann .odt statt .docx – aber die Arbeitsoberfläche bleibt dieselbe. Alles findet weiterhin in Word statt. Das Speichern funktioniert über den bekannten Weg: Datei → Speichern unter → Dateityp auf „OpenDocument-Text (.odt)" ändern.

Wer das nicht jedes Mal manuell machen möchte, kann das ODF-Format als Standard festlegen. Eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung dazu finden Sie in unserem Tutorial "Word: Standardformat auf ODT umstellen.".


Wo es aber tatsächlich hakt

Sich nun hinzustellen und zu behaupten, dass sich gar nichts ändert, wäre allerdings auch zu kurz gegriffen. ODF und DOCX sind unterschiedliche Dateiformate mit unterschiedlichem Funktionsumfang. Nicht alles, was Word kann, lässt sich 1:1 in einer ODF-Datei abbilden. Das sollten Sie wissen, bevor Sie das Dateiformat umstellen. Dabei gibt es keinen Grund zur Panik. Wichtig ist nur eine gute Vorbereitung.

Formatierung und Layout

Beim Speichern als ODF-Datei gehen bestimmte Formatierungen verloren oder werden vereinfacht. SmartArt-Grafiken haben keine ODF-Entsprechung. Sie werden in statische Bilder umgewandelt und lassen sich nicht mehr bearbeiten. Erweiterte Layoutoptionen wie verschachtelte Textrahmen, bestimmte Kopf- und Fußzeilenstrukturen oder benutzerdefinierte Trennzeichen bei Fußnoten können abweichen.
 
Für Standarddokumente im Verwaltungsalltag – wie Briefe, Berichte, Vermerke – ist das in der Regel unproblematisch. Bei aufwendig gestalteten Vorlagen mit komplexen Layouts lohnt sich allerdings ein genauer Blick.

Einschränkungen lassen sich oft clever umgehen
Viele typische ODF-Einschränkungen lassen sich mit passenden Workarounds abfedern. Zum Beispiel kann ein Word-Add-In dafür sorgen, dass die Änderungsnachverfolgung vor dem Speichern als .odt automatisch aufgelöst wird. So bleiben wichtige Funktionen erhalten – trotz Formatwechsel,

Änderungsnachverfolgung und Dokumentenschutz

Ein Punkt, der in der Praxis besonders auffällt: Wenn Sie ein Word-Dokument mit ausstehenden Änderungen im Überprüfen-Modus als .odt speichern, werden alle Änderungen automatisch angenommen. Die Möglichkeit, einzelne Änderungen zu überprüfen oder abzulehnen, geht verloren. Auch der Dokumentenschutz und das Informationsrechtemanagement (IRM) sind im ODF-Format nicht verfügbar.

Makros und Gruppenrichtlinien

VBA-Makros laufen in Word weiter – unabhängig davon, in welchem Format Sie das Dokument am Ende speichern. Aber die Makros selbst sind nicht ODF-kompatibel. Sie werden beim Speichern als .odt nicht mitgespeichert. Wer in einem reinen ODF-Workflow arbeitet und Makros benötigt, muss diese separat verwalten oder neu entwickeln und implementieren.
 
Über Gruppenrichtlinien (GPO) lässt sich das ODF-Format allerdings als organisationsweiter Standard ausrollen. Die Konfiguration kann dann zentral über die Registry gesteuert werden. Für IT-Abteilungen ist das ein zusätzlicher Aufwand, aber kein Hindernis.

Sie möchten Ihre Workflows trotz Umstellung auf das ODF-Format nicht groß umstellen? Dann sollten wir reden.


Warum es Sinn macht, im Word-Kosmos zu bleiben

Die ODF-Pflicht schreibt ein Format vor, keine Software. Trotzdem werden Sie vermutlich die Frage hören: „Müssen wir jetzt auf LibreOffice oder ähnliche abgespeckte Alternativen umstellen?" Die kurze Antwort: Nein.

Gewohnte Umgebung, kein Schulungsaufwand

Ihre Anwender kennen Word in- und auswendig. Die Oberfläche, die Tastenkürzel, die Menüstruktur – das sitzt. Ein Wechsel auf LibreOffice oder eine andere Suite bedeutet Schulungsaufwand, Umgewöhnung und eine unkalkulierbare Übergangsphase, in der die Arbeit langsamer läuft. Drastische Änderungen im gewohnten Arbeitsablauf erzeugen zudem oft Widerstand bei den Mitarbeitern. Diesen Aufwand können Sie sich sparen, wenn das Einzige, was sich ändern muss, das Speicherformat ist.

Add-Ins und Automatisierungen bleiben bestehen

Wer mit professionellen Word-Vorlagen oder individuellen Office-Add-Ins arbeitet, behält diese bei. Add-Ins laufen in Word unabhängig vom Speicherformat der Ausgabedatei. Das Speicherformat bestimmt, wie das Dokument abgelegt wird – nicht, wie Sie darin arbeiten. Trotzdem kann es sein, dass komplexe, durch Add-Ins gesteuerte Abläufe, auf den Prüfstand müssen.

Wichtig: Add-Ins und Makros laufen weiter
Die tägliche Arbeit in Word – mit Vorlagen, Add-Ins und Automatisierungen – ändert sich durch die ODF-Pflicht nicht. Nur das Format, in dem das fertige Dokument gespeichert wird, ist ein anderes.

Die Alternative LibreOffice realistisch eingeordnet

LibreOffice ist ein solides Programm mit millionenfacher Verwendung weltweit. Aber ein Umstieg in einer Behörde oder einem Unternehmen ist kein Wochenendprojekt.

Bestehende Word-Vorlagen müssen angepasst oder neu erstellt werden. VBA-Makros funktionieren in LibreOffice nicht – sie müssen in LibreOffice Basic neu geschrieben werden. Die Add-In-Landschaft ist deutlich eingeschränkter. Und die Darstellung von Dokumenten kann zwischen den Suites abweichen, was bei externem Dokumentenaustausch auffällt. Das alles ist machbar. Aber es ist Aufwand, der sich vermeiden lässt, weil Word die ODF-Anforderung bereits erfüllt.


Was IT-Abteilungen jetzt konkret tun müssen

1. ODF als Standardformat festlegen

Stellen Sie in Word das Standardformat auf ODF um. Das geht über Datei → Optionen → Speichern → „Dateien in diesem Format speichern" auf ODF umstellen. Diese manuelle Einstellung müsste für jede Office-Anwendung separat vorgenommen werden. Eine ausführliche Anleitung zur Umstellung des Standardformats finden Sie in unserem Word-Tutorial "Standardformat auf ODT umstellen"Word-Tutorial "Standardformat auf ODT umstellen". Alternativ wird allerdings auch eine zentrale Steuerung über Gruppenrichtlinien (GPO) unterstützt. Hier empfiehlt sich die Registry per Skript zentral anzupassen.

2. Vorlagen und Makros prüfen

Testen Sie Ihre bestehenden Word-Vorlagen mit dem ODF-Format. Speichern Sie die Vorlagen als .odt, öffnen Sie sie erneut und prüfen Sie, ob Layout, Formatierungen und Inhalte korrekt dargestellt werden. Dasselbe gilt für Makros oder Add-Ins: Prüfen Sie, ob Ihre Add-Ins und Automatisierungen mit dem neuen Speicherformat zusammenspielen. Bei der Gelegenheit ist es ohnehin ratsam, noch verwendete Makros auf Sicherheitsrisiken zu überprüfen und eine Übertragung zu einem Add-In zu prüfen.

3. Anwender mitnehmen

Die Botschaft an Ihre Kolleginnen und Kollegen ist einfach: „Sie arbeiten weiter in Word. Sie speichern ab jetzt als .odt statt als .docx." Kein neues Programm, keine neue Oberfläche. Das Wichtigste ist, die Verunsicherung früh einzufangen, bevor sich die Schlagzeilen und Vorbehalte in den Köpfen festsetzen.

4. Dokumentenprozesse durchgehen

Prüfen Sie, an welchen Stellen in Ihren Workflows DOCX-Dateien erzeugt werden. Überall dort, wo Dokumente nach außen gehen – an andere Behörden, an Bürger, an externe Partner – muss künftig ODF als Ausgabeformat stehen. Interne Dokumente sind von der Vorgabe allerdings nicht betroffen.

Falls Sie bei der Prüfung Ihrer Vorlagen und Makros auf Kompatibilitätsprobleme stoßen oder Unterstützung bei der Umstellung brauchen – hier erfahren Sie, wie wir dabei helfen können.


Fazit und Empfehlung

Die ODF-Pflicht ist ein Formatwechsel, und ausdrücklich kein Softwareverbot. Word bleibt das Werkzeug – ODF wird das Ausgabeformat. Die aktuelle Diskussion zeugt oft von Unwissen und erzählt eine andere Geschichte. Aber die Schlagzeilen liegen falsch.

Wer jetzt panisch die gesamte Office-Umgebung umkrempelt, versucht ein Problem zu lösen, das es nicht gibt. Wer sich stattdessen im Zuge der Umstellung mit den Speicheroptionen und den Anforderungen an die Dokumente beschäftigt, hat ganz klar einen Vorsprung. Ihre Anwender arbeiten weiter in Word. Sie speichern als .odt. Das war's..


Häufig gestellte Fragen zur ODF-Pflicht

Wird Microsoft Word in Behörden verboten?

Nein. Vorgeschrieben wird das ODF-Format für den Dokumentenaustausch – nicht eine bestimmte Software. Word kann ODF-Dateien erstellen und bearbeiten. Es darf weiterhin eingesetzt werden.

Kann Word Dateien im ODF-Format speichern?

Ja. Aktuelle Word-Versionen unterstützen ODF 1.3. Über Datei → Speichern unter lässt sich das Format auf OpenDocument-Text (.odt) umstellen. Diese Einstellung kann auch als Standard festgelegt werden. Eine Anleitung finden Sie in unserem Word-ODF-Tutorial. Mehr zum ODF-Format selbst erfahren Sie in unserem Artikel Was ist das ODF-Format?.

Funktionieren bestehende Word-Vorlagen und Makros noch mit ODF?

Die Arbeit in Word – inklusive Vorlagen und Add-Ins – bleibt unverändert. Einschränkungen gibt es beim Speichern: Bestimmte Formatierungen und Makros werden im ODF-Format nicht übernommen. Ob Ihre Vorlagen betroffen sind, lässt sich mit einer kurzen Prüfung feststellen. Wir unterstützen Sie gerne dabei.

Muss die gesamte IT-Umgebung umgestellt werden?

Nein. Der Wechsel betrifft das Speicherformat, nicht die Software. Word, Ihre Vorlagen, Add-Ins und Automatisierungen bleiben bestehen. Die Umstellung beschränkt sich darauf, ODF als Standardformat festzulegen und die bestehenden Vorlagen auf Kompatibilität zu prüfen.

Bis wann müssen Behörden auf ODF umstellen?

Laut Beschluss des IT-Planungsrats soll das ODF-Format bis 2027 der Standard für den Dokumentenaustausch in der gesamten öffentlichen Verwaltung sein. Der Deutschland-Stack sieht die vollständige Umsetzung bis 2028 vor.

 

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